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Höst i Svergie
alexwe, Montag, 24. Oktober 2011, 17:37
Der Herbst ist da!


Die Jahreszeit zwischen Sommer und Winter, welche hier in Schweden wohl ziemlich kurz ausfallen wird. Viel ist passiert seit meinem letzten Beitrag. Wenn ich mir das Wetter hier so anschaue, dann fallen mir immer wieder die ersten Zeilen eines Gedichts von dem unvergessenen Heinz Erhardt ein:
Wenn Blätter von den Bäumen stürzen,
die Tage täglich sich verkürzen,
wenn Amseln, Drosseln, Fink und Meisen
die Koffer packen und verreisen,
wenn all die Maden, Motten, Mücken,
die wir vergaßen zu zerdrücken
von selber sterben, so glaube mir
es steht der Winter vor der Tür…
Wenn ich mir das Wetter hier so angucke, könnte man für Schweden diese Zeilen noch anfügen:
…vergleicht man dies einmal mit Schweden
Ist’s dort im Herbst schon frostig‘ gegen,
selbst Ich als Deutscher merke bald
wenn Winter ist, ist Schweden kalt!
Das Bergfest meines Aufenthalts hier in Uppsala ist erfolgreich überstanden...wie ich bereits in meinem letzten Beitrag geschrieben habe, war es die absolut richtige Entscheidung, hier zu studieren. Das Institut, an dem ich momentan studiere (Hugo-Valentin Centrum) ist sehr gut und der Kurs "Holocaust in Europe..." ist sehr interessant und spannend. Was ich jetzt schon sagen kann ist, dass ich den Eindruck habe, deutsche Studenten kennen sich in Sachen Holocaust, drittes Reich und Hitler etwas besser aus, als andere Austauschstudenten. Das wiederum gibt mir die Frage auf: habe ich in der Schule wirklich so viel über Hitler und den zweiten Weltkrieg gelernt? Oder haben die anderen darüber so wenig gelernt? Wie auch immer…
Da ich durch die Kreuzfahrt vor zwei Jahren mit meinen Eltern in der Ostsee schon viele der mehr oder weniger nahen Städte (Tallin, Helsinki und St. Petersburg) gesehen habe, habe ich mich entschieden, mein Geld zu sparen bzw. anderweitig zu verwenden. Viele Austauschstudenten sind momentan auf Reisen hier oben im Ostseeraum (vor allem die Asiaten). Ich denke, ich werde mir noch mehr von Schweden angucken (Falun, Kiruna und Gotland liegen noch auf der Agenda). Des Weiteren beschäftige ich mich hier momentan viel mit Sport. Am 8. Oktober beispielsweise sind Tom (ein Freund von mir aus LA) und Ich zu den NHL Openern nach Stockholm gefahren…UNVERGESSLICH! Ich bereue keinen Cent des Ausflugs. Ich hatte die Chance meine Anaheim Ducks live zu sehen! Das musste ich einfach nutzen. In einem atemberaubend schnellen Spiel schlug mein Team dann die New York Rangers mit 2:1 nach Penaltyschießen. Die Schlussfolgerung des Abends: man kann nordamerikanisches Eishockey einfach nicht mit deutschem Eishockey der DEL vergleichen. Selbst ich als hartgesottener Hannover Scorpions Fan muss neidlos eingestehen, dass immer noch Welten zwischen NHL und DEL liegen. Die NHL ist schneller, VIEL präzieser und härter. Da macht das Zuschauen gleich doppelt und dreifach so viel Spaß…
Ein weiteres Highlight war das Rugby WM Finale letzten Sonntag. Dazu muss ich aber etwas weiter ausholen. Hier in Uppsala gibt es eine Nation namens Värmlands, welche einen Sportspub besitzt. Da anscheinend die gesamte Welt (außer Deutschland) an Rugby interessiert ist, war die WM in Neuseeland in meinem doch sehr internationalen Freundeskreis seit Wochen Gesprächsthema Nummer 1. Wie dem auch sei, dacht ich mir, guckste dir halt mal so ein Rugbyspiel an. Ist bestimmt nicht ganz so langweilig wie Tennis. Ich sollte recht behalten. Das Halbfinale zwischen Australien und Neuseeland war das frühe Aufstehen allemal wert (man beachte die Zeitverschiebung zwischen Schweden und Neuseeland). Schon während des Spiels der wohl beiden besten Rugbymannschaften der Welt drängte sich mir die Frage auf: warum hat Deutschland eigentlich keine Rugbymannschaft? Wieso interessiert sich in Deutschland jeder Depp für Fußball, wo ein Ribery, Robben, Podolski oder Marin bei jedem Luftzug so tut als würde ihm gleich Bein, Arm, Kopf oder am besten alles Drei abfallen?! Bis heute habe ich darauf keine schlüssige Antwort gefunden. Rugby ist jedenfalls eine sehr sehenswerte Sportart, teilweise sogar interessanter als Fußball. So war es auch nicht verwunderlich, dass ich das Spiel um Platz drei zwischen Australien und Wales, sowie das Finale letzten Sonntag zwischen Frankreich und Neuseeland ebenfalls geguckt habe. Letzteres war ein noch unvergesslicheres Ereignis als das Halbfinale. In einem Raum voller Franzosen feierte ich mit ganzen 5 Neuseeländern ausgelassen den knappen, wenn auch hochverdienten 8:7 Finalsieg der „All Blacks“ (Neuseeländer). Ich will bei mir nicht von einer Abneigung gegen Franzosen sprechen, eher von einer gesunden Rivalität zwischen Deutschen und Franzosen, sowie einer inneren Verbundenheit zu den doch stark in der Unterzahl gewesenen Neuseeländern. Das machte mir dann die Auswahl des zu unterstützenden Teams im Finale doch um einiges einfacher.
Neben diesen Sporterlebnissen, spiele ich hier zweimal die Woche Innebandy, was vergleichbar mit dem deutschen Unihockey oder auch Hallenhockey ist. Sport ist hier in Schweden wohl die beste Medizin gegen die immer schneller kommende Dunkelheit. Ich habe außerdem das Glück, ziemlich nah an einer der größten Sporthallen in Uppsala zu wohnen. Daher haben ein paar meiner Freunde und ich vor, uns diese oder nächste Woche mal ein richtiges Innebandyspiel anzugucken (für richtiges Bandy, welches man auf einem „gefrohrenen Fußballfeld“ spielt, fehlt noch die Umsetzung des Adjektivs –gefrohren-).
Etwas größer und kostenintensiver könnte ein Vorhaben werden, was momentan noch in den Kinderschuhen steckt. Tom und ich planen grade einen kleinen Abstecher ins beschauliche London, um uns dort ein Premiere League Spiel anzugucken (wahrscheinlich im Craven Cottage von Fulham). Dazu aber später mehr.
Ja, was ist noch passiert? Ich war bei meinem ersten Gasque. Soll also heißen, das Mitnehmen meines Anzugs hat sich gelohnt, denn ich habe ihn gebraucht, doch von Anfang an. Das Gasque: eines der Gründe, warum viele Studenten gar nicht mehr aus Uppsala weg wollen. Uppsala hat eine sehr alte Universität. Diese sehr alte Universität hat sehr alte Nationen und eine weit zurückreichende Tradition des Dinierens. Neudeutsch würde mal das Gasque wohl als formelles Dinner bezeichnen. Noch einfacher ausgedrückt: viele Studenten in immens teuren Anzügen und Studentinnen in sündhaft teuren (oder geliehenen) Kleider treffen sich zu einem Drei- bis Fünf-Gänge Menü. Dabei geht es primär aber nicht um das Essen bzw. satt werden. Schon vergessen, wo ich hier studiere? Genau: Schweden. Vorwiegend geht es hier um den Konsum von Getränken mit mehr als 4 Umdrehungen. Für den trinkfesten Deutschen wohl eine sehr willkommene Gelegenheit, sich sinnlos zu besaufen, für den eher nicht so Asiaten eine wahre Herausforderung. Wie auch immer die Stimmung auf dem Gasque wo ich war, war super. Man muss sowas einfach mal miterlebt haben.
Hier ein paar Bilder des Abends:


Amol und Ich

Ebenezer und Ich

Der Franzl und Ich: zwei Chaoten mit Bart
Ansonsten ist hier alles beim Alten.
Auch hier kriegt man mit, dass es im Europa nicht grade zum Besten steht, doch interessiert es hier die wenigsten. Schweden wäre wohl auch eines der letzten Länder, welches unter dem Zusammenbruch des Systems Europa leiden müsste.
Auch hier kriege ich mit, dass Leverkusen momentan nur auf Platz 9 in der Tabelle steht. Nach 10 Spieltagen ist das etwas wenig, wenn man den Anspruch hat, international zu spielen. Aber was reg ich mich auf…da steht bei Schalke schon so‘n Fliegenfänger im Tor und Leverkusen ist zu doof auch nur ein Tor zu schießen! Da kann ich mich echt drüber aufregen!!! Naja, abwarten…
Fürs erste wars das erstmal wieder von mir. Ich verspreche auch, mich wieder öfters zu melden. In letzter Zeit war ja längere Zeit Pause hier im Blog. Es lohnt sich also, hier des öfteren in nächster Zeit wieder einmal reinzuschauen.
Bis dahin
Alex


Die Jahreszeit zwischen Sommer und Winter, welche hier in Schweden wohl ziemlich kurz ausfallen wird. Viel ist passiert seit meinem letzten Beitrag. Wenn ich mir das Wetter hier so anschaue, dann fallen mir immer wieder die ersten Zeilen eines Gedichts von dem unvergessenen Heinz Erhardt ein:
Wenn Blätter von den Bäumen stürzen,
die Tage täglich sich verkürzen,
wenn Amseln, Drosseln, Fink und Meisen
die Koffer packen und verreisen,
wenn all die Maden, Motten, Mücken,
die wir vergaßen zu zerdrücken
von selber sterben, so glaube mir
es steht der Winter vor der Tür…
Wenn ich mir das Wetter hier so angucke, könnte man für Schweden diese Zeilen noch anfügen:
…vergleicht man dies einmal mit Schweden
Ist’s dort im Herbst schon frostig‘ gegen,
selbst Ich als Deutscher merke bald
wenn Winter ist, ist Schweden kalt!
Das Bergfest meines Aufenthalts hier in Uppsala ist erfolgreich überstanden...wie ich bereits in meinem letzten Beitrag geschrieben habe, war es die absolut richtige Entscheidung, hier zu studieren. Das Institut, an dem ich momentan studiere (Hugo-Valentin Centrum) ist sehr gut und der Kurs "Holocaust in Europe..." ist sehr interessant und spannend. Was ich jetzt schon sagen kann ist, dass ich den Eindruck habe, deutsche Studenten kennen sich in Sachen Holocaust, drittes Reich und Hitler etwas besser aus, als andere Austauschstudenten. Das wiederum gibt mir die Frage auf: habe ich in der Schule wirklich so viel über Hitler und den zweiten Weltkrieg gelernt? Oder haben die anderen darüber so wenig gelernt? Wie auch immer…
Da ich durch die Kreuzfahrt vor zwei Jahren mit meinen Eltern in der Ostsee schon viele der mehr oder weniger nahen Städte (Tallin, Helsinki und St. Petersburg) gesehen habe, habe ich mich entschieden, mein Geld zu sparen bzw. anderweitig zu verwenden. Viele Austauschstudenten sind momentan auf Reisen hier oben im Ostseeraum (vor allem die Asiaten). Ich denke, ich werde mir noch mehr von Schweden angucken (Falun, Kiruna und Gotland liegen noch auf der Agenda). Des Weiteren beschäftige ich mich hier momentan viel mit Sport. Am 8. Oktober beispielsweise sind Tom (ein Freund von mir aus LA) und Ich zu den NHL Openern nach Stockholm gefahren…UNVERGESSLICH! Ich bereue keinen Cent des Ausflugs. Ich hatte die Chance meine Anaheim Ducks live zu sehen! Das musste ich einfach nutzen. In einem atemberaubend schnellen Spiel schlug mein Team dann die New York Rangers mit 2:1 nach Penaltyschießen. Die Schlussfolgerung des Abends: man kann nordamerikanisches Eishockey einfach nicht mit deutschem Eishockey der DEL vergleichen. Selbst ich als hartgesottener Hannover Scorpions Fan muss neidlos eingestehen, dass immer noch Welten zwischen NHL und DEL liegen. Die NHL ist schneller, VIEL präzieser und härter. Da macht das Zuschauen gleich doppelt und dreifach so viel Spaß…
Ein weiteres Highlight war das Rugby WM Finale letzten Sonntag. Dazu muss ich aber etwas weiter ausholen. Hier in Uppsala gibt es eine Nation namens Värmlands, welche einen Sportspub besitzt. Da anscheinend die gesamte Welt (außer Deutschland) an Rugby interessiert ist, war die WM in Neuseeland in meinem doch sehr internationalen Freundeskreis seit Wochen Gesprächsthema Nummer 1. Wie dem auch sei, dacht ich mir, guckste dir halt mal so ein Rugbyspiel an. Ist bestimmt nicht ganz so langweilig wie Tennis. Ich sollte recht behalten. Das Halbfinale zwischen Australien und Neuseeland war das frühe Aufstehen allemal wert (man beachte die Zeitverschiebung zwischen Schweden und Neuseeland). Schon während des Spiels der wohl beiden besten Rugbymannschaften der Welt drängte sich mir die Frage auf: warum hat Deutschland eigentlich keine Rugbymannschaft? Wieso interessiert sich in Deutschland jeder Depp für Fußball, wo ein Ribery, Robben, Podolski oder Marin bei jedem Luftzug so tut als würde ihm gleich Bein, Arm, Kopf oder am besten alles Drei abfallen?! Bis heute habe ich darauf keine schlüssige Antwort gefunden. Rugby ist jedenfalls eine sehr sehenswerte Sportart, teilweise sogar interessanter als Fußball. So war es auch nicht verwunderlich, dass ich das Spiel um Platz drei zwischen Australien und Wales, sowie das Finale letzten Sonntag zwischen Frankreich und Neuseeland ebenfalls geguckt habe. Letzteres war ein noch unvergesslicheres Ereignis als das Halbfinale. In einem Raum voller Franzosen feierte ich mit ganzen 5 Neuseeländern ausgelassen den knappen, wenn auch hochverdienten 8:7 Finalsieg der „All Blacks“ (Neuseeländer). Ich will bei mir nicht von einer Abneigung gegen Franzosen sprechen, eher von einer gesunden Rivalität zwischen Deutschen und Franzosen, sowie einer inneren Verbundenheit zu den doch stark in der Unterzahl gewesenen Neuseeländern. Das machte mir dann die Auswahl des zu unterstützenden Teams im Finale doch um einiges einfacher.
Neben diesen Sporterlebnissen, spiele ich hier zweimal die Woche Innebandy, was vergleichbar mit dem deutschen Unihockey oder auch Hallenhockey ist. Sport ist hier in Schweden wohl die beste Medizin gegen die immer schneller kommende Dunkelheit. Ich habe außerdem das Glück, ziemlich nah an einer der größten Sporthallen in Uppsala zu wohnen. Daher haben ein paar meiner Freunde und ich vor, uns diese oder nächste Woche mal ein richtiges Innebandyspiel anzugucken (für richtiges Bandy, welches man auf einem „gefrohrenen Fußballfeld“ spielt, fehlt noch die Umsetzung des Adjektivs –gefrohren-).
Etwas größer und kostenintensiver könnte ein Vorhaben werden, was momentan noch in den Kinderschuhen steckt. Tom und ich planen grade einen kleinen Abstecher ins beschauliche London, um uns dort ein Premiere League Spiel anzugucken (wahrscheinlich im Craven Cottage von Fulham). Dazu aber später mehr.
Ja, was ist noch passiert? Ich war bei meinem ersten Gasque. Soll also heißen, das Mitnehmen meines Anzugs hat sich gelohnt, denn ich habe ihn gebraucht, doch von Anfang an. Das Gasque: eines der Gründe, warum viele Studenten gar nicht mehr aus Uppsala weg wollen. Uppsala hat eine sehr alte Universität. Diese sehr alte Universität hat sehr alte Nationen und eine weit zurückreichende Tradition des Dinierens. Neudeutsch würde mal das Gasque wohl als formelles Dinner bezeichnen. Noch einfacher ausgedrückt: viele Studenten in immens teuren Anzügen und Studentinnen in sündhaft teuren (oder geliehenen) Kleider treffen sich zu einem Drei- bis Fünf-Gänge Menü. Dabei geht es primär aber nicht um das Essen bzw. satt werden. Schon vergessen, wo ich hier studiere? Genau: Schweden. Vorwiegend geht es hier um den Konsum von Getränken mit mehr als 4 Umdrehungen. Für den trinkfesten Deutschen wohl eine sehr willkommene Gelegenheit, sich sinnlos zu besaufen, für den eher nicht so Asiaten eine wahre Herausforderung. Wie auch immer die Stimmung auf dem Gasque wo ich war, war super. Man muss sowas einfach mal miterlebt haben.
Hier ein paar Bilder des Abends:


Amol und Ich

Ebenezer und Ich

Der Franzl und Ich: zwei Chaoten mit Bart
Ansonsten ist hier alles beim Alten.
Auch hier kriegt man mit, dass es im Europa nicht grade zum Besten steht, doch interessiert es hier die wenigsten. Schweden wäre wohl auch eines der letzten Länder, welches unter dem Zusammenbruch des Systems Europa leiden müsste.
Auch hier kriege ich mit, dass Leverkusen momentan nur auf Platz 9 in der Tabelle steht. Nach 10 Spieltagen ist das etwas wenig, wenn man den Anspruch hat, international zu spielen. Aber was reg ich mich auf…da steht bei Schalke schon so‘n Fliegenfänger im Tor und Leverkusen ist zu doof auch nur ein Tor zu schießen! Da kann ich mich echt drüber aufregen!!! Naja, abwarten…
Fürs erste wars das erstmal wieder von mir. Ich verspreche auch, mich wieder öfters zu melden. In letzter Zeit war ja längere Zeit Pause hier im Blog. Es lohnt sich also, hier des öfteren in nächster Zeit wieder einmal reinzuschauen.
Bis dahin
Alex
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