Uppsala Svergie
Happy Kanelbullar Day!!
alexwe, Dienstag, 4. Oktober 2011, 14:05
Hi Leute. Wird Zeit, dass ich hier mal wieder ne Statusmeldung abgebe.
Schweden geht schnurstrax auf Herbst und Winter zu. Die Tage werden deutlich kürzer, die Blätter an den Bäumen weniger und der warme Kaffe schmeckt immer besser. In den letzten Wochen stand bei mir ganz klar studieren auf dem Stundenplan. Insgesamt 12 Seiten Hausarbeit auf englisch ist schon etwas anderes als man in Deutschland gewöhnt ist. Ich muss aber sagen, trotzdem das eine sehr schwierige Aufgabe war, hat sie im Endeffekt doch sehr viel mehr Spaß gemacht als jede hausarbeit die ich auf deutsch geschrieben habe. Das liegt wohl auch zum Teil daran, dass die Universitätsbibliothek hier in Uppsala (genannt: Carolina Rediviva) einfach grandios ist. Man kann ganze tage darin verbringen und schreiben.
Meine Zeit hier in Uppsala geht dem Bergfest entgegen und ich kann über Uppsala nur eins sagen: ich liebe diese Stadt! ich will nicht beurteilen, ob ich sie mehr liebe als Stockholm, weil Stockholm einfach in einer anderen Liga spielt. Wer schon einmal in Stockholm war weiß hoffentlich was ich meine. Uppsala hat jedoch so viele tolle Seiten...hier zu studieren macht einfach richtig viel Spaß!
Heute ist in Schweden einer der wichtigesten Tage im Jahr (für mich), der Kanelbullar Day! Ein Tag, der ganz und gar der Kanelbulle (zu deutsch Zimtschnecke, auch wenn man die Kanelbulle hier nicht mit der deutschen Zimtschnecke vergleichen kann, weil die Kanelbulle einfach 10000x besser schmeckt) gewidmet ist. Der Plan heute sieht also wie folgt aus: nach einer kleinen Studieneinheit in der Carolina (so heißt die Unibibliothek hier) geht es in meine Nation zum aaaaausgiebigen fika (Kaffee trinken und viiiiele Kanelbullar essen). Auch wenn wir das eh fast jeden tag machen ist das heute doch etwas besonderes...ich frage mich immer wieder wie ich 20 jahre ohne dieses rundliche Gebäck leben konnte. ich bin nicht der einzige, der sichd as hier fragt ;).
Was meine Kurse angeht, so habe ich heute meinen ersten Kurs : Swedish History endgültig abgeschlossen. Ja, was habe ich gelernt? Schweden hat wie nahezu jedes Land im 16. Jh. versucht seine macht zu maximieren und ist dabei sehr schnell an seine Grenzen gestoßen (die hier Dänemark heißt). Keine Länder der !Welt! haben so viele Kriege geführt, wie diese zwei Staaten und trotzdem ist Schweden seit fast 200 Jahren peacefull (friedlich). Ich finde das ist ein doch sehr beeindruckender Fakt. Nach dem "overstretch of the swedish realm" (in etwa: der Überdehnungdes Schwedischen Reiches) Ende des 17. Jh., begann der langsame Niedergang dieses Großreiches im Norden. Die anfangende Industrialisierung in Großbritannien und Kontinentaleuropa brachte Schweden um die Seehoheit und damit auch um ihre wohl größte militärische Waffe. Deshalb und wegen Schwedens Lage an der nördlichen Peripherie Europas, hat Schweden (im Gegensatz zu anderen Staaten) keinen Versuch mehr unternommen, noch einmal eine Großmacht zu werden. Was relativ interessant ist ist Schwedens verhalten gegenüber seiner Bevölkerung. Nahezu die Hälfte der bäuerlichen Bevölkerung war frei, also keinem Landlord in irgendeiner Weise verpflichtet (Abgaben, etc.). Dies hat viele Gründe. Einer davon ist: trotz seiner flächenmäßigen Größe, war Schweden noch nie dicht besiedelt. Es gab einfach keinen Mechanismus, die so weit verstreute Bevölkerung unter eine zentrale Gewalt zu bringen. Freiheit war hier also von Anfang an immer ein Stichwort und das merkt man bis heute. Trotz der teilweise kulturellen und auch sprachlichen Nähe zu Deutschland, gibt es doch eine Menge unterschiede zwischen den knapp 9 Millionen Schweden und den 83 Millionen Deutschen!
Mein nächster Kurs startet am 10. Oktober und geht dann bis zum Ende des Semesters kurz vor Weihnachten. Ich bin sehr gespannt darauf, was mich erwartet, da das Thema "Holocaust in European History and Histography" heißt. Ein Kurs an dem rennomierten Forschungsinstitut für Genozid und Holocaust (Hugo Valentin Centrum) hier in Uppsala. Ob sich die Diskussion über Holocaust wohl sehr von der an deutschen Universitäten unterscheidet, da man das Thema hier "objektiver betrachten" kann? Ich werd mich melden, um mehr zu berichten.

Bis dahin

euer Alex